AGV-Personalleiterkreis am EBZ: Neue Rollen, KI-Strategien und Wissenstransfer im Fokus

Am 9. und 10. Juli 2026 war der Personalleiterkreis des AGV – Arbeitgeberverband der Deutschen Immobilienwirtschaft e. V. am EBZ in Bochum zu Gast. Im Mittelpunkt der zweitägigen Sitzung standen aktuelle rechtliche Entwicklungen sowie zentrale Zukunftsfragen der Personalarbeit in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.
Die Agenda reichte von aktueller Rechtsprechung und Gesetzgebung über die Mitbestimmungsrechte von Betriebsräten beim Einsatz von KI-Anwendungen bis zu neuen Rollen und Stellenprofilen in der Wohnungswirtschaft. Weitere Schwerpunkte bildeten die Entwicklung einer KI-Strategie, aktuelle Ergebnisse der EBZ-Azubi-Befragungen und das Wissensmanagement in Unternehmen.
Neue Anforderungen an Rollen und Kompetenzen

Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Klimaschutz, Fachkräftemangel und der demografische Wandel verändern nicht nur Prozesse, sondern auch Tätigkeiten und Verantwortungsbereiche in den Unternehmen.
Klaus Leuchtmann, Vorstandsvorsitzender des EBZ, und Prof. Dr. Christian Unsöld, Professor für innovative Unternehmens- und Personalentwicklung an der EBZ Business School sowie Leiter Personal- und Organisationsentwicklung der EBZ Akademie, nahmen gemeinsam in den Blick, welche Folgen diese Entwicklungen für bestehende Stellenprofile haben.

Dabei wurde deutlich: In der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft findet weniger ein pauschaler Stellenabbau als vielmehr eine Verschiebung von Aufgaben und Kompetenzen statt. Routine- und Verwaltungsaufgaben werden zunehmend automatisiert. Gleichzeitig übernehmen Beschäftigte stärker koordinierende, beratende und strategische Aufgaben. Technische und kaufmännische Kompetenzen wachsen zusammen, digitale Fähigkeiten werden in nahezu allen Tätigkeitsfeldern vorausgesetzt und Nachhaltigkeit entwickelt sich zum Querschnittsthema.
Für Personalbereiche ergeben sich daraus vielfältige Aufgaben: von der strategischen Personalbedarfsplanung über den Aufbau neuer Kompetenzen bis hin zur Begleitung von Veränderungsprozessen und zur Entwicklung neuer Jobfamilien.
KI strategisch im Unternehmen verankern
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung einer unternehmensweiten KI-Strategie. In einem Planspiel erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erste strategische Ansätze für ein Wohnungsunternehmen: Wo verursacht Arbeit aktuell besonders viel Aufwand? Welche Tätigkeiten könnten sinnvoll durch KI unterstützt werden? Welche Unternehmensbereiche eignen sich für erste Pilotprojekte und welche Risiken müssen berücksichtigt werden?
Im Fokus stand ein verantwortungsvoller Einsatz von KI, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlastet, Prozesse effizienter gestaltet und Freiräume für wertschöpfende Tätigkeiten schafft. Zugleich wurden Datenschutz, menschliche Kontrolle, klare Verantwortlichkeiten und der Aufbau von KI-Kompetenzen als zentrale Voraussetzungen herausgestellt.
Nachwuchs erwartet Entwicklungsperspektiven
Klaus Leuchtmann präsentierte außerdem aktuelle Erkenntnisse aus den EBZ-Azubi-Befragungen. Diese zeigen, dass Weiterbildung für junge Menschen längst kein Zusatzangebot mehr ist, sondern fester Bestandteil ihrer beruflichen Planung. 73 Prozent der Befragten halten eine weitere Qualifizierung nach der Ausbildung für erforderlich. Rund 80 Prozent verfolgen bereits Ziele, die über den erfolgreichen Ausbildungsabschluss hinausgehen. Besonders gefragt sind der Immobilienfachwirt und ein Studium im Immobilienbereich.
Für Unternehmen bedeutet dies, Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten frühzeitig sichtbar zu machen. Denn glaubwürdige Perspektiven sind nicht nur für die Gewinnung, sondern auch für die langfristige Bindung junger Fachkräfte entscheidend.
Erfahrungswissen systematisch sichern
Zum Abschluss richtete sich der Blick auf das Wissensmanagement. Altersbedingte Austritte, steigende Fluktuation, neue Technologien und eine zunehmend komplexe Regulierung erhöhen das Risiko, dass wertvolles Erfahrungswissen verloren geht. Dabei handelt es sich nicht allein um dokumentierte Prozesse und Richtlinien. Auch Gebäudehistorien, Kontakte zu Handwerksunternehmen, Wissen über Mieterinnen und Mieter, informelle Abläufe und persönliche Erfahrungswerte sind für den Arbeitsalltag von hoher Bedeutung. Ein wirksames Wissensmanagement schafft Strukturen, um dieses Wissen zu dokumentieren, zu teilen, anzuwenden und kontinuierlich weiterzuentwickeln. KI kann dabei unterstützen, Informationen leichter auffindbar zu machen, Dokumente zusammenzufassen und Fachwissen zugänglich zu halten. Sie ersetzt jedoch nicht die Erfahrung der Mitarbeitenden.
Das EBZ bedankt sich beim AGV und allen Teilnehmenden für den Besuch, die intensiven Diskussionen und den offenen Erfahrungsaustausch in Bochum
