13. Forum Personal in Hamburg: Wie die Wohnungswirtschaft Generationen, Transformation und KI zusammendenkt

Rund 80 Personalverantwortliche aus der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft kamen am 21. und 22. April 2026 in Hamburg zum 13. Forum Personal zusammen. Die von vom EBZ gemeinsam mit den Regionalverbänden der deutschen Immobilienwirtschaft ausgerichtete Tagung stellte drei Themen in den Mittelpunkt, die Unternehmen derzeit parallel beschäftigen: Generationenwechsel, digitale Transformation und den praktischen Einsatz von KI im Personalbereich.
Schon der Auftakt machte deutlich, dass die Debatte über die Generation Z dann produktiv wird, wenn sie sich von Klischees löst. Die Berufsschullehrer des EBZ-Berufskollegs Justin Hirsemann und Thomas Maciejewski knüpften an die digitale Lebensrealität junger Menschen an und zeigten, welche Rolle Smartphone-Nutzung, Messenger-Dienste, Social Media und kurze, passgenaue Inhalte für Information, Orientierung und Ansprache spielen. Die zentrale Botschaft: Wer junge Zielgruppen erreichen will, muss nicht zwanghaft „jugendlich“ kommunizieren, sondern verstehen, auf welchen Kanälen Aufmerksamkeit entsteht, welcher Stil zum eigenen Unternehmen passt und wer im Betrieb nah genug an der Zielgruppe ist, um glaubwürdige Inhalte zu entwickeln. Besonders greifbar wurde dieser Perspektivwechsel in der anschließenden Gruppenarbeit. In vier Gruppen arbeiteten die Teilnehmenden mit unterschiedlichen Gen-Z-Personas und entwickelten konkrete Recruitingmaßnahmen.
Zwischen Generationenwechsel und neuer Arbeitskultur

Vertieft wurde das Thema in der Podiumsdiskussion mit Sabine Hopf, Leiterin Personal und Organisation Baugenossenschaft Dennerstraße-Selbsthilfe eG und der Auszubildenden Sina Bawa sowie Phuong Anh Le Hoang, Community Managerin und Bildungsreferentin der EBZ Akademie. Besonders wertvoll war, dass hier nicht über Generationen gesprochen wurde, sondern aus unterschiedlichen Rollen heraus: aus Sicht einer erfahrenen Personalleiterin, einer Auszubildenden am Beginn ihres Berufslebens und einer Vertreterin der Gen Z mit Organisationsblick. Aus diesem Austausch entstand ein sehr konkretes Bild davon, was junge Mitarbeitende heute im Employee Life Cycle erwarten: transparente Recruitingprozesse statt Black Box, empathische Gespräche statt Verhörsituation, Onboarding mit klaren Ansprechpersonen und nachvollziehbaren Erwartungen, regelmäßiges Feedback sowie individuelle Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele dieser Punkte keine reinen Generationenfragen sind. Wertschätzung, Klarheit, Orientierung und Lernräume verbessern Zusammenarbeit insgesamt – unabhängig vom Alter. Das Praxisbeispiel der Baugenossenschaft Dennerstraße-Selbsthilfe eG zeigte, wie sich diese konkret im Alltag umsetzen lässt: mit regelmäßigen Jours fixes mit Auszubildenden, Feedbackgesprächen nach Abteilungswechseln, engem Austausch mit Ausbildungsbeauftragten und der Bereitschaft, Prozesse bei Bedarf anzupassen. Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Maßnahme als die Grundidee dahinter: junge Menschen ernst nehmen, Entscheidungen erklären, Entwicklung sichtbar machen und generationsübergreifende Zusammenarbeit aktiv gestalten.
Transformation konkret gestalten und Verantwortung weitergeben

Einen anderen, aber ebenso relevanten Akzent setzte Dr. Thomas Haßlöcher, Geschäftsführer, PensExpert Gruppe, mit seinem Beitrag zu Zeitwertkonten. Gerade weil dieses Thema vielen Teilnehmenden zunächst weniger vertraut war, stieß es auf großes Interesse. Zeitwertkonten wurden dabei nicht als Randthema oder bloßer Zusatzbenefit vorgestellt, sondern als Instrument moderner Lebensphasenvorsorge. Sie ermöglichen es, Gehaltsbestandteile, Boni, Überstunden oder Urlaubstage als Wertguthaben aufzubauen und später für Freistellungsphasen zu nutzen – etwa für Sabbaticals, Pflegezeiten, Weiterbildung, reduzierte Arbeitszeit oder einen flexibleren Übergang in den Ruhestand.
Wie nahe Künstliche Intelligenz inzwischen an konkreten HR-Aufgaben ist, zeigte André Gorpe, Community Manager bei der Circula GmbH, sehr anschaulich in seinem Vortrag zum smarten Personalmanagement. KI erschien hier weder als Heilsversprechen noch als Bedrohung, sondern als Werkzeugkasten für typische Aufgaben im Personalbereich: von Unternehmensbeschreibungen und zielgruppengerechten Stellenanzeigen über FAQ-Strecken im Bewerbungsprozess bis hin zur strukturierten Analyse von Bewerbungen, der Vorbereitung von Vorstellungsgesprächen, Zu- und Absageschreiben oder Onboarding-Plänen. Ebenso wichtig war der zweite Teil der Botschaft: Gute Ergebnisse entstehen nur mit klaren Prompts, ausreichend Kontext und menschlicher Prüfung. Datenschutz, mögliche Verzerrungen und die Qualität der Ergebnisse bleiben gerade im HR-Umfeld zentrale Verantwortungsthemen.
Austausch, Wertschätzung und Blick nach vorn
Neben den fachlichen Impulsen hatte das Forum auch eine persönliche und emotionale Note: Rüdiger Grebe, Leiter der EBZ Akademie sowie des Bereichs Coaching und Consulting, wird das EBZ ebenso wie Elke Nippold-Rothes, Trainerin für Führungskräfte- und Personalentwicklung, zum 30. Juni 2026 verlassen. Der Vorstandsvorsitzende des EBZ Klaus Leuchtmann war persönlich angereist, um beiden für ihr langjähriges Engagement zu danken und ihre Verdienste zu würdigen. Er nutze die Gelegenheit den Nachfolger von Rüdiger Grebe, Prof. Dr. Christian Unsöld, der zugleich Professor für innovative Unternehmens- und Personalentwicklung an der EBZ Business School ist, vorzustellen. Mit ihm übernimmt ein ausgewiesener Fachmann diese verantwortungsvolle Aufgabe. Generationenwechsel, ein Thema des Forums, findet eben nicht nur in den Wohnungsunternehmen, sondern auch im EBZ statt.

Auch jenseits der Vorträge erfüllte das Forum seinen Anspruch als Austauschformat. Beim gemeinsamen Abendessen wurden die Themen vertieft, Erfahrungen aus den Unternehmen geteilt und Kontakte weiter ausgebaut. Gerade für ein Format, das sich vollständig Personalthemen widmet, ist dieser kollegiale Erfahrungstransfer ein wesentlicher Mehrwert. Passend dazu wurden die Teilnehmenden diesmal auch direkt in die Themenfindung für das kommende Jahr einbezogen und konnten ihre Wünsche einbringen.
