Der Immobilienmakler ist tot - es lebe der Immobilienmakler

Die Wüstenrot Immobilien GmbH ist die Immobilienmaklergesellschaft des Konzerns Wüstenrot & Württembergische. Rund 150 Immobilienmakler sind bundesweit für das Unternehmen tätig. Seit Jahren arbeitet es im Bereich der Personalentwicklung mit der EBZ Akademie zusammen. Hier erhalten sie Mitarbeiter keine bloße Schulung, sondern eine Weiterbildung, die mit IHK-Abschluss endet. Jochen Dörner, Geschäftsführer der Wüstenrot Immobilien GmbH, gibt seine Einschätzung über den Immobilienmakler 4.0.

1. Es gibt Stimmen, die behaupten, der Maklerberuf sterbe in Zukunft aufgrund der Digitalisierung aus. Was sagen Sie zu solchen Prophezeiungen?
Dörner:
Der Veränderungszyklus, ausgelöst vor allem durch Digitalisierung, wird auch in der Maklerbranche immer kürzer. Die Sorge, die Kundenschnittstelle abzugeben oder die eigene Dienstleistung digitalisiert und damit wegrationalisiert zu bekommen, ist deshalb nachvollziehbar. Dennoch wird der Maklerberuf nicht aussterben. Dazu ist der Beratungsanspruch unserer Kunden zu hoch. Der Immobilienmakler bleibt mit seiner sozialen Kompetenz, seinem fundierten Fachwissen und Verhandlungsgeschick sowie seiner genauen Ortskenntnisse weiterhin gefragt.

2. Bringt die Digitalisierung den Maklern auch Vorteile? Wenn „Ja“, welche sind das?
Dörner:
Die Digitalisierung öffnet auf jeden Fall neue Ansätze für Geschäftsmöglichkeiten und Wettbewerbschancen. In wenigen Jahren werden etwa Virtual Reality und Augmented Reality Teil der Vermarktung sein. Virtuelle Besichtigungen, ergänzt durch künstliche Intelligenz, die Fragen der Interessenten beantwortet, werden Standard sein. Trotzdem sollte berücksichtigt werden, dass digitale Lösungen allein nicht immer das beste Ergebnis erzielen. Wer das Geschäft kennt, weiß, dass es Bereiche gibt, bei denen Datenbankergebnisse nicht für eine ausgewogene fachliche und faire Beurteilung ausreichen. Das gilt zum Beispiel bei der Marktpreisermittlung, bei der für jedes einzelne Objekt die ganz individuellen Stärken und Schwächen wie Lagekriterien, Gebäudestandards, Wohnungsgrundrisse und spezifische Unterhaltungszustände persönlich ermittelt werden müssen, wenn sie den Anspruch auf Zielgenauigkeit erfüllen sollen.

3. Wie muss Weiterbildung für die Immobilienmakler in Zukunft aussehen, um die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen?
Dörner:
Ein guter Makler muss sich heute und in Zukunft noch besser qualifizieren, um den Bedürfnissen der Kunden zu entsprechen. Denn die Spannbreite der immobilienspezifischen Fachgebiete, von der Immobilienbewertung bis hin zu zahlreichen Rechtsgebieten, ist groß. Hinzu kommt, dass ein Makler schnell in die Digitalisierung hineinwachsen und bei der Anwendung von Softwareprogrammen, etwa für Bewertungsfragen, virtuelle Objektbesichtigung und Homepage-Optimierung, fit sein muss. Diese neuen Fähigkeiten müssen auch durch Weiterbildungen erlernt werden. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Digitalisierung nur eine Assistenzfunktion hat, die eine umfassende und fundierte Beratung rund um eine Immobilienentscheidung nicht ersetzen kann.

4. Welche Anforderungen stellen Sie in diesem Zusammenhang an Weiterbildungsinstitute?
Dörner:
Wichtig ist natürlich, mit fairen und seriösen Partnern zusammenzuarbeiten, die die Bedürfnisse der Makler abdecken. Wir arbeiten genau aus diesen Gründen etwa bereits seit 2012 mit dem EBZ Bochum zusammen. Makler der Wüstenrot Immobilien durchlaufen dort wohnungswirtschaftlich breit gefächerte Weiterbildungskurse für Grundlagenwissen. Erfahrene Makler frischen ihr Wissen durch jährlich Webinar- und Seminarangebote auf.

5. Welche Maßnahmen hat die Wüstenrot Immobilien GmbH getroffen bzw. umgesetzt?
Dörner:
Schon heute haben Software-Programme bei der WI eine wichtige Assistenzfunktion zur Unterstützung der Beratungs- und Serviceleistungen der Makler und für Workflow-Prozesse zwischen Makler und Zentrale sowie zwischen Makler und externen Netzwerkpartnern. Sie sind schnell, sparen Zeit und Kosten. Darüber hinaus haben wir in den letzten drei Geschäftsjahren deutlich mehr als eine Million Euro in Sach-, Personal- und Weiterbildungskosten investiert, um die Digitalisierung voranzutreiben. So bieten wir über unsere Homepage eine Immobilienbewertung an, die dem Kunden eine valide Erstindikation des Immobilienwertes bietet. Selbstverständlich mit der Möglichkeit, den Wert genauer über unsere Makler vor Ort bestimmen zu lassen. Außerdem können unsere Makler mithilfe des Baukastenprinzips eine individuelle Homepage erstellen. Ein automatisierter Baufinanzierungs-Prozess holt Interessenten aus den Immobilienportalen ab und routet diese parallel zum Exposéversand direkt zum Finanzierungspaten des Objektes. Das beschleunigt den Gesamtprozess, da die Finanzierbarkeit vor der Besichtigung geklärt werden kann.