Handlungsfähig bleiben: Wie Wohnungsunternehmen ihre Zukunft sichern

Klimaziele, Kostendruck, Digitalisierung und Fachkräftemangel bewirken in der Wohnungswirtschaft tiefgreifende Veränderungen. Wie können Unternehmen wirtschaftlich handlungsfähig bleiben und ihre Zukunft strategisch gestalten? Dieser Frage widmete sich die Fachtagung „Management – Strategische Unternehmensführung in der Wohnungswirtschaft“, zu der die EBZ Akademie und die Unternehmensberatung ErfolgsWert am 3. November 2026 nach Bochum eingeladen hatten.
Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit zusammendenken
Den Zielkonflikt zwischen Klimaneutralität, bezahlbarem Wohnen und Investitionsfähigkeit verdeutlichte Dr. Thomas Hain, Leitender Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte Wohnstadt. Deren überarbeitete Klimastrategie 2025+ sieht Klimaneutralität für 2060 vor – deutlich früher als die bisherige Strategie, aber nach dem politischen Zieljahr 2045. Weniger investitionsintensive Maßnahmen sollen größere Teile des Bestands erreichen. Hain warnte zugleich vor der Abhängigkeit von politisch beeinflussten Fördermitteln. Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit sei die nachhaltige Ertragskraft des Kerngeschäfts.
Für Hans-Dieter Brand, Sprecher der Geschäftsführung der Neuland Wohnungsgesellschaft mbH in Wolfsburg, hat die Bewahrung unternehmerischer Handlungsfähigkeit oberste Priorität. Er warnte davor, auf sinkende Zinsen zu hoffen oder eine solide Bilanz mit wirtschaftlicher Sicherheit gleichzusetzen. Ausschlaggebend seien Liquidität, Cashflow und die Fähigkeit, Zins und Tilgung langfristig zu leisten. Bei Neuland liegt der Investitionsschwerpunkt inzwischen auf der Bestandsmodernisierung statt auf dem Neubau. Brands Botschaft: Finanzielle Grenzen früh erkennen und Investitionen konsequent priorisieren.
Jan Marin, Vorstandsmitglied der Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein eG, erläuterte, wie sich der genossenschaftliche Förderauftrag mit Klimazielen und wirtschaftlicher Stabilität verbinden lässt. Investitionen werden dort nach ihrem Beitrag zu bezahlbarem Wohnraum, ihrer Wirtschaftlichkeit, ihrer Klimawirkung und ihren Risiken beurteilt. Zugleich setzt die Genossenschaft auf Eigenkapitalstärkung, Risikosteuerung und eine Führungskultur, die Veränderungen aktiv gestaltet. Marins Leitgedanke: Führung sei kein Zusatzprogramm, sondern das „Betriebssystem der Strategie“.
Dr. Simone Planinsek, Vorständin der Baugenossenschaft Esslingen eG, rückte die Aussagekraft betriebswirtschaftlicher Kennzahlen in den Mittelpunkt. Ihre Genossenschaft gehört zu den bundesweit 45 Wohnungsgenossenschaften mit eigener Spareinrichtung. Die Einlagen schaffen Finanzierungsspielräume, verlangen aber zugleich ein sorgfältiges Liquiditäts- und Risikomanagement. Hohe Spareinlagen oder eine hohe Eigenkapitalquote allein seien noch kein Beleg für wirtschaftliche Sicherheit. Kennzahlen müssten stets im Zusammenhang mit den Verpflichtungen und dem genossenschaftlichen Förderauftrag bewertet werden.
Strategie braucht Führung und Kompetenzen
Ralf Seveneick, Geschäftsführer der in Münster ansässigen Unternehmensberatung ErfolgsWert GmbH, plädierte dafür, die vielfältigen Herausforderungen nicht in isolierten Einzelprojekten zu bearbeiten. Strategie, Führung, Organisation und Kompetenzentwicklung müssten vielmehr als gemeinsames System ineinandergreifen. „Die Herausforderungen der Wohnungswirtschaft lassen sich nicht mehr mit einzelnen Maßnahmen bewältigen“, betonte er. Entscheidend seien klare Verantwortlichkeiten und Menschen, die Veränderungen im Arbeitsalltag wirksam gestalten.
Prof. Dr. Christian Unsöld, Professor an der EBZ Business School und Bereichsleiter Personal- und Organisationsentwicklung der EBZ Akademie, zeigte, welche Folgen neue Technologien, veränderte Geschäftsmodelle und der demografische Wandel für die Belegschaften haben. Unternehmen müssten aus ihrer Strategie ableiten, welche Leistungen und Kompetenzen künftig benötigt werden – und wie sich diese durch Qualifizierung, Personalgewinnung, Kooperationen oder Technologieeinsatz entwickeln lassen. Personalplanung sei damit eine Aufgabe der gesamten Unternehmensführung.
In der abschließenden Diskussion standen der demografische Wandel und die rasante technische Entwicklung durch künstliche Intelligenz im Fokus. Während erfahrene Beschäftigte in den Ruhestand gehen und Nachwuchs gewonnen werden muss, verändern sich Qualifikationsanforderungen immer schneller. Reicht das klassische Bildungssystem aus, um junge Menschen darauf vorzubereiten? Prof. Unsöld: “Am EBZ lernen sie, Werkzeuge wie KI zu nutzen, ohne die Verantwortung für ihr Handeln und dessen Folgen abzugeben.”
Klarheit über Ziele und Verantwortung
Moderatorin Bianca Skottki von der EBZ Akademie bündelte zum Abschluss die Erkenntnisse des Tages in Fragen für die Führungspraxis: Was muss die Unternehmensführung über die eigene Lage wirklich wissen – und wohin soll sich das Unternehmen entwickeln? Wer entscheidet, wer übernimmt Verantwortung und wer setzt die Entscheidungen um? Ihre Schlussfolgerung: Eine tragfähige Strategie entfaltet erst dann Wirkung, wenn Ziele, Zuständigkeiten und Umsetzung klar miteinander verbunden sind.






