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24. April 2020 - Branchentrends
Was macht die Komplexität der Corona-Krise mit dem Alltag in Wohnungsunternehmen? Den unterschiedlichen Auswirkungen der Corona-Krise auf Führung, Organisation, Krisen- und Quartiersmanagement speziell in Wohnungsunternehmen ist Christian Thomas, Trainer an der EBZ-Akademie, nachgegangen. Hierzu traf er 3 Experten aus der Branche und erörterte die nachfolgenden Themenfelder in einer Interviewrunde.

Der Krisenalltag in Wohnungsunternehmen – Die EBZ Akademie fragt nach….

Was macht die Komplexität der Corona-Krise mit dem Alltag in Wohnungsunternehmen? Den unterschiedlichen Auswirkungen der Corona-Krise auf Führung, Organisation, Krisen- und Quartiersmanagement speziell in Wohnungsunternehmen ist Christian Thomas, Trainer an der EBZ-Akademie, nachgegangen. Hierzu traf er 3 Experten aus der Branche und erörterte die nachfolgenden Themenfelder in einer Interviewrunde.

Christian Thomas

über 20 Jahre praktische Erfahrung in der Wohnungswirtschaft

zertifizierter Trainer, Berater und Coach der EBZ Akademie

Wirtschaftsmediator und Moderator für Beteiligungsprozesse

Das Wort „Krise“ setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen: das eine bedeutet „Gefahr“, das andere bedeutet „Gelegenheit."

John F. Kennedy

Interviewrunde

In einer abwechslungsreichen Interviewrunde mit der nötigen Distanz diskutierte Christian Thomas die aktuellen folgenden Fragen mit:

  • Klaus Koschei (Vorsitzender des Rotthauser Netzwerk e.V.)
  • Alexander Krawczyk (Prokurist der UKBS - Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft mbH)
  • Robert Montau (Sozialpsychologe und Trainer der EBZ Akademie)

 

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Wo entsteht die Krise im Quartier?

Wohnungsunternehmen machen sich derzeit große Sorgen um die Menschen in ihren Quartieren. Diese Besorgnis gilt in erster Linie denjenigen Bewohnerkreisen wie Senioren oder körperlich vorbelasteten und eingeschränkten Menschen, die ihre Wohnung allein nicht mehr verlassen können oder es nicht dürfen, um andere Personen nicht zu gefährden.

Diese Isolation führt zu schwerwiegenden Problemen im Quartier:

Wenn Menschen sozial isoliert sind oder wie in der Krise zur Isolation gezwungen werden, führt dies in vielen Fällen zu Ängsten, Verstimmungen oder Depressionen. Gerade die ohnehin s.g. „Unerreichbaren“ im Quartier sind von der aktuellen Lage akut betroffen.

Nach Wochen des Kontaktverbotes und der Ausgangssperre spitzt sich in den Quartieren aber auch die Situation in Familien z.T. sehr bedrohlich zu. Subjektiv erlebte Ängste, steigende soziale Unsicherheitsempfindungen und die erzwungene Nähe führen in vielen, besonders in den prekären Quartieren zu einem starken Anstieg häuslicher Gewalt, insbesondere gegen Frauen und Kinder.

Finanzielle Existenzängste sind in vielen Quartieren auch in normalen Zeiten Auslöser für Konflikte und Gewalttaten im häuslichen und nachbarschaftlichen Umfeld. In der aktuellen Krise kommen in vielen Familien neben drohendem Jobverlust und Gehaltseinbrüchen durch Kurzarbeit das Fehlen von Kinderbetreuung und Rückzugsmöglichkeiten hinzu. Gerade die bildungsfernen Familien sind zudem mit dem s.g. „Homeschooling“ enorm überfordert. Ohnehin bestehende Gefahren gerade für die soziale und gesellschaftliche Teilhabe drohen sich zu verstärken.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Herausforderungen der Krise nahezu alle Lebens- und Arbeitsbereiche betreffen und sich die Auswirkungen dieser Entwicklungen in den Quartieren der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft konzentriert, spielt für die Branche vermehrt der gesundheitliche Aspekt ihrer Mieter eine immer bedeutendere und zunehmend strategische Rolle.

Wie werden Planungsprozesse beeinflusst?

Aus ihrer Historie heraus ist die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft von langfristigen Planungs- und Investitionsprozessen geprägt. Bereits seit geraumer Zeit wirken auf die Immobilienwirtschaft Megatrends ein, die sowohl die allgemeine Gesellschaft als auch Unternehmen und Mieter für die kurz- und mittelfristige Zukunft prägen werden. Insbesondere Themenfelder wie fortschreitende Digitalisierung, Arbeitswelt 4.0 oder die Auswirkungen der Globalisierung wirken sich in ihrer gesellschaftlichen Komplexität bereits aktuell deutlich auf weite Bereiche der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft aus.

Weitere Begriffe und Felder wie etwa Nachhaltigkeit, der fortschreitende demographische Wandel oder der Trend der Individualisierung des einzelnen sind Herausforderungen, welchen sich die Wohnungswirtschaft bereits seit geraumer Zeit stellen und insbesondere in ihrer Bestands- und Quartiersentwicklung berücksichtigen muss.

Doch was bedeutet es, wenn langfristige Planungs- und Investitionsprozesse auf eine komplexe Krise wie die Corona-Pandemie und somit auf einen dynamischen Prozess treffen und die Unternehmen aktuell nur „auf Sicht“ fahren können?

Was sind die Herausforderungen für die Mitarbeiter im Homeoffice?

Durch die Dynamik der Situation sind viele MitarbeiterInnen von Wohnungsunternehmen verunsichert. Da z.B. aufgrund der Kita- und Schulschliessungen Kinder zuhause betreut werden müssen, schicken viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice. Dies ist für viele Mitarbeiter eine 180-Grad-Umstellung: Sind viele Unternehmen der Wohnungswirtschaft bislang feste Arbeitsstrukturen und somit eine strikte Trennung von Beruf und Familie gewohnt, gilt es nun Kinderbetreuung, Einkauf, und berufliche Aufgaben wie die Kommunikation mit KollegenInnen und Kunden zu vereinbaren.

Wurde das Instrument „Home-Office“ bislang nicht oder nur teilweise genutzt und gewollt, stellt die neue Arbeitsweise viele MitarbeiterInnen vor Herausforderungen: Von jetzt auf gleich muss alles auf einmal strukturiert werden: privater Tagesablauf, Arbeitsein- und -aufteilung sowie Austausch und Kommunikation.

Welchen besonderen Herausforderungen stellen sich derzeit die Führungskräfte?

Aktuell gilt es, wichtige Entscheidungen zu treffen; Führungskräfte sind in diesen Tagen besonders gefordert.

Krisen zu managen ist nun Teil des Jobs als Führungskraft: Was muss in der Organisation geregelt werden? Welche Informationen werden benötigt? Was sind die nächsten Schritte? Herausforderungen ergeben sich insbesondere, wenn Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten und der gewohnte Austausch nur noch telefonisch oder digital erfolgen kann, sprich: aus der Distanz geführt werden muss. Führungskräfte haben z.T. noch wenig Erfahrung damit, wie Teams, die sich über lange Zeit nicht sehen, geführt und begleitet werden müssen.

Krisen zu managen heißt für Führungskräfte, die Situation anzunehmen, konsequent zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Im konkreten bedeutet dies

  1. Negatives limitieren
  2. Kreativität entwickeln
  3. Probleme lösen

Führungskräfte haben die entscheidende Aufgabe, einerseits für Mitarbeiter „Normalität“ bzgl. Arbeitszeit und Aufgabe herzustellen und anderseits die Probleme, Sorgen und Nöte Ihrer Mitarbeiter und Kunden größtmöglich im Blick zu haben.

Was sind die momentan wichtigen Prozess- und Systemvoraussetzungen?

Neben Führung und Motivation der MitarbeiterInnen (auf Distanz) müssen für eine nachhaltig funktionierende Teamarbeit aber auch Prozess- und Systemvoraussetzungen geschaffen werden. Hier gilt es, sich aus Sicht der Organisation ausreichend Gedanken über unterstützende Technologie für die Arbeit im Home-Office, vorhandene sowie benötigte Ressourcen und sinnvollen Support der einzelnen Teams zu machen. Hierzu gehören u.a. technische Standards wie:

  • Schnelle Internetverbindung
  • Systemzugang (VPN)
  • Laptop, SmartPhone und Head-Sets
  • Konferenztools (Zoom, educate, Microsoft Teams, adobe connect)

Hierbei gilt es als Grundsatz zu beachten: „Gute Technik ist kein Ersatz für gute Kommunikation und Führung, aber notwendige Unterstützung!“

Welche Kommunikationsmaßnahmen sind erforderlich?

Weiterhin spielt die Kommunikation der Organisation nach innen eine bedeutende Rolle. Insbesondere Fragstellungen des individuellen Umganges des Unternehmens sind wesentliche Faktoren für Akzeptanz der Belegschaft und das Funktionieren von Teams. Fragen in diesem Zusammenhang sind z.B.:

  • Über die Maßnahmen in unserem Unternehmen im Zusammenhang mit der Corona-Problematik fühlen sich alle Mitarbeiter gut informiert?
  • Welche effektiven Maßnahmen wurden getroffen, um eine Ansteckung zu verhindern?
  • Leistet das Unternehmen unter den aktuellen Bedingungen gute Arbeit bei Aufgabenzuweisungen und der Koordination der Mitarbeiter?
  • Was ist bisher im Umgang mit der Krise gut gelaufen? Was waren effektive Maßnahmen?
  • Was kann die Organisation besser machen?
  • Welche Ideen bestehen, um die Mitarbeiter noch besser zu unterstützen?

 

Zusammenfassend gilt es aus Sicht der Organisation transparente Indikatoren zu definieren, um Arbeitsergebnisse messen zu können. Kernaufgabe sollte es sein, gemeinsam mit dem Team klare Standards für die Zusammenarbeit zu definieren und festzulegen. Verfolgen Sie unsere Videorunde mit Anregungen, Gedanken und Ideen aus dem Umfeld unserer Experten aus der Branche.

 

Bleiben Sie gesund!

Bis hoffentlich bald!

 

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Gastbeitrag

Gastbeiträge auf dem EBZ Akademie Blog sind immer als solche gekennzeichnet. Mitwirkende Gastautoren auf diesem Blog, sind enge Netzwerkpartner des EBZ sowie Trainer, Dozenten, Professoren und Experten aus der Praxis.