EBZ Akademie Blog

Beratung Training Dialog

18. Juni 2018 - Personalentwicklung

Mitarbeiterbindung stärken: Projektkarrieren in der Wohnungswirtschaft

Würden Sie Ihre Mitarbeiter ohne Fahrausbildung ein Firmenfahrzeug steuern lassen? Würden Sie Ihre Mitarbeiter ohne Ausbildung ein Projekt steuern lassen? Anders als in vielen anderen Branchen, wie z. B. der Automobilindustrie oder der IT-Branche, heißt die Antwort auf die zweite Frage in der Wohnungswirtschaft in der Regel „Ja!“. So klar wird dies natürlich nicht ausgesprochen, aber die Realität zeigt genau dieses Bild.

Stefanie Sarwasch

Senior Projektmanagerin (GPM/IPMA),

staatlich gepr. Betriebswirtin Wohnungswirtschaft und Realkredit,

Trainerin für Projektmanagement

Rollen im Projektmanagement: vielfältig und entwicklungsfähig

Ich kenne kein Wohnungsunternehmen, in dem nicht auch in Projekten gearbeitet wird. Und es wird stets mit Stolz davon berichtet, denn auch heute noch gilt das Arbeiten in Projekten als modern. Ja, es gibt auch hier Abstufungen in der Innovation. Spricht man vom klassischen Projektmanagement oder vom agilen Vorgehen? Unabhängig davon, wovon gesprochen wird, eine echte Etablierung eines Projektmanagement-Frameworks in der Wohnungswirtschaft ist höchst selten anzutreffen. Unklare Rollenstrukturen im Projekt hinsichtlich der Aufgaben und Kompetenzen der verschiedenen Projektbeteiligten sind die Folge:

Aufgaben des Managements

Als Ideengeber steht das Management in der Verantwortung eine klare Richtung für das Projekt vorzugeben. Die Unternehmensziele müssen sich in den Zielformulierungen der einzelnen Projekte wiederfinden lassen und mit Blick auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens für ein ausgewogenes Projektportfolio sorgen. In der alltäglichen Praxis des Projektmanagements fehlt es jedoch stellenweise der Unternehmensführung an Selbstreflexionsvermögen hinsichtlich ihrer Rollen, Aufgaben und Pflichten.

Stolperfallen in der Projektleitung

Mitarbeiter werden als Projektleiter berufen und schaffen es glücklicherweise oft dank ihres gesunden Menschenverstands, ihrer Lebenserfahrung, ihrer Fachkenntnis und ihrer jahrelangen Zugehörigkeit zum Unternehmen mit einem guten Netzwerk, so etwas wie ein Projekt zu gestalten und die Projektziele zu erreichen.

Diese Form der Projektdurchführung, ohne abgesteckten Rahmen, zwingt den Projektleiter, sich eigene Strukturen zu schaffen oder sich ständig rückversichern. Beides kostet Kraft und Zeit und geht zu Lasten der persönlichen Ressourcen.

Motivationsverlust der Projektmitarbeiter

Mitarbeiter werden häufig unter unklaren Umständen in die Projektarbeit einbezogen. Wiederum andere Mitarbeiter werden im Projektkontext vollkommen ignoriert, obwohl sie einen wichtigen Beitrag zum Projekt leisten könnten. Die Identifikation mit dem Projekt und dessen Zielen fällt dann oft schwer. In der Folge ist das Engagement für ein Projekt im ersten Fall wenig ambitioniert und kann sich im zweiten Fall sogar gegen das Projekt wenden.

Stakeholder: niemals Risiko – aber oft vertane Chancen

Im Sinne der Personalentwicklung, wie sie bereits im Blog-Beitrag Digitale Transformation, Arbeitswelt 4.0 und Innovationsmanagement: Personalentwicklung in der Wohnungswirtschaft – Ein bedingungsloser Dreiklang beschrieben wurde, ist es deshalb an der Zeit, nicht nur von Projektmanagement zu reden, sondern auch ein echtes Projekt- und Projektportfolio-Management zu etablieren.

Beispielhaftes Vorgehen

Projektmanagement zu etablieren, ist natürlich auch ein Projekt und als solches zu gestalten. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind vielfältig und hängen auch vom bereits vorhandenen Know How innerhalb des Unternehmens ab.

Vorstellbar sind folgende Phasen auf Basis eines Commitments zum Projektmanagement des gesamten Managements:

  • Auswahl des passenden Frameworks (agil oder konventionell)

  • Rollengerechte Grundausbildung der „Key-User“ gemäß gewähltem Framework

  • Iterative Erarbeitung eines unternehmensindividuellen Projektmanagement-Handbuchs und weiterer Standards, wie zum Beispiel eines Projektportfolio-Managementsystems auf Basis des gewählten Frameworks – je nach Projektmanagement-Know How mit oder ohne Unterstützung durch externe Berater

  • Zielgruppen- und rollengerechtes Training (siehe oben) zu den Methoden des gewählten Frameworks und den unternehmenseigenen Ausprägungen

  • Verifizierung des entwickelten Unternehmensstandards anhand von Projekterfahrungen bzw. Anpassung und Optimierung

  • Implementierung in den Unternehmensalltag – entsprechend der vom Unternehmen gewählten zukünftigen Organisation

Die Projektkarriere als Entwicklungsperspektive

Aus der Implementierung eines Projektmanagement-Framework können sich für einige Mitarbeiter ganz neue Perspektiven entwickeln. Denn ein gutes Projektmanagement braucht neben einer soliden Infrastruktur auch Menschen mit entsprechenden Fähigkeiten zur Projektsteuerung. Diesen Mitarbeitern durch alternative Karrierepfade konkrete Entwicklungsperspektiven anzubieten, erhöht den Handlungsspielraum für beide Seiten – für Ihre Mitarbeiter als auch die Personalentwicklung. Somit entsteht ein Zugewinn für beide Seiten. Die Projektkarriere erfährt aus diesem Grunde schon seit einiger Zeit enormen Zuspruch aus der Praxis, als Instrument der Mitarbeiterbindung und –entwicklung. Die Weiterbildungsmöglichkeiten sind im Projektmanagement ebenso vielfältig wie in der wohnungswirtschaftlichen Fachkarriere und ebenso anerkannt.

Vielfacher Nutzen für Ihr Unternehmen

Nach meiner Einschätzung werden Sie bereits im ersten Jahr nach der Einführung eines Projektmanagements-Framework eine deutliche Verbesserung in der Qualität Ihrer Projekte erkennen. Sie werden eine rollengerechte Unterstützung der Projekte erfahren, Sie werden eine leichtere Kommunikation über Ihre Projekte führen und Sie werden einen besseren Überblick über Ihr Projektportfolio erhalten.

Ich wünsche Ihnen erfolgreiche Projekte.

Neuer Kommentar

Über den Autor

Avatar of Gastbeitrag

Gastbeiträge auf dem EBZ Akademie Blog sind immer als solche gekennzeichnet. Mitwirkende Gastautoren auf diesem Blog, sind enge Netzwerkpartner des EBZ sowie Trainer, Dozenten, Professoren und Experten aus der Praxis.