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18. Oktober 2018 - Branchentrends

„Kennzahlen brauchen Kommunikation“ – Ein neues Anforderungsprofil für Controller?

Ein Gespräch mit Dr. Herwig Friedag, der seit 1998 als selbständiger Consultant für Strategieentwicklung und -umsetzung (BSC) arbeitet. Zusammen mit seinem Kollegen Dr. Walter Schmidt ist er der meistgelesene Autor in Europa zum Thema Balanced Scorecard mit mehr als 80.000 verkauften Exemplaren allein in Deutschland.

EBZ Akademie: Herr Dr. Friedag, viele Controller sind der Meinung, dass in den Unternehmen eine wirkliche Unternehmensstrategie fehlt. Wie sind Ihre Beobachtungen?

Wir müssten erst einmal klären, was „Strategie“ bedeutet. Aus meiner Sicht heißt „strategisch arbeiten“ sich auf die Zukunft vorbereiten. Daher lautet meine Antwort erst einmal: Ja und nein:   

Dr. Herwig Friedag,

selbständiger Consultant für Strategieentwicklung und -umsetzung (BSC)

 

 

Eine Strategie hat jeder, auch wenn er diese nicht als solche bezeichnet, diese nicht erläutern und kommunizieren kann. Und so manche Unternehmen haben auch eine „Strategie“, von der Geschäftsführung in einem schönen Hotel diskutiert, beschlossen und in einem Tresor sicher verwahrt. Aber ein Unternehmen besteht eben aus mehr Menschen als nur der Geschäftsleitung. Wir müssen alle „Stakeholder“ des Unternehmens mitnehmen, insbesondere, aber nicht nur die Mitarbeiter. Ein Tresor ist die schlechteste Verwahranstalt für die Zukunft!        

EBZ Akademie: Warum haben es Unternehmen schwer eine tragfähige Unternehmensstrategie zu entwickeln?

Weil es für viele Unternehmen einen Kulturwandel bedeutet: Früher konnte der „Chef“ klare Ansagen machen, dann gehorchte jeder. Heute bei der Größe von vielen Unternehmen, aber auch in der heutigen Kultur des Miteinanders geht das nicht mehr. Alle wollen, nein müssen beteiligt werden. Das ist erst einmal aufwändig, aber dann erfolgreich, weil alle Mitarbeiter mitziehen, mitarbeiten. Dieser Kulturwandel benötigt Zeit, aber in Deutschland sind wir im Vergleich zu vielen anderen Ländern schon weit.           
EBZ Akademie: Sie bemängeln immer wieder fehlende Kreativität bei der Entwicklung von unternehmensrelevanten Kennzahlen und fordern mehr Mut zu außergewöhnlichen Kennzahlen. Was sind für Sie außergewöhnliche Kennzahlen?

Wir arbeiten seit über hundert Jahren mit klassischen, mit finanziellen Kenngrößen. Aber diese bilden immer die Vergangenheit ab. Wir müssen lernen, mit Kennzahlen die Zukunft zu gestalten. Dies sind üblicherweise sogenannte weiche Kennzahlen – für die muss man immer die Annahmekette kennen/ erläutern, denn für sich allein sagen diese nichts aus.

Aber Sie fragen nach einem Beispiel für eine zukunftsorientierte Kennzahl.
Bitte:

  1. Anzahl der offenen Türen 
  2. Anzahl der Knoten 

Sehen Sie, das verstehen Sie nicht, da Ihnen die Annahmekette fehlt.

Kommen Sie zum Arbeitskreis Controlling am 07.12.2018. Dort werde ich für diese Kennzahlen die Annahmeketten erläutern!

EBZ Akademie: Sie sagten mal „Kennzahlen brauchen Kommunikation“ – Was meinen Sie damit?

Siehe oben: Die Kette muss von allen im Unternehmen verstanden werden. Dazu muss sie kommuniziert werden. Nur dann kann mit diesen Kennzahlen ein (gemeinsam erarbeitetes) Ziel gemessen und hoffentlich auch erreicht werden.

EBZ Akademie: Alles klar! Und was sind Ihrer Meinung nach Beispiele für eine schlechte Kommunikation von Kennzahlen?

Keine Kommunikation. Oder aber: „ROCE“, auch bekannt als „ROTZE“. Keiner versteht es, auch die meisten Controller nicht, aber nicht wenige Unternehmen wollen damit Menschen führen – ein Witz!

EBZ Akademie: Können Sie uns auch Beispiele für gute Kommunikation von Kennzahlen nennen?

Menschen wollen mit Geschichten geführt werden, Kennzahlen allein erzählen selten eine Geschichte. Aber Geschichten wollen erzählt werden!

EBZ Akademie: Das Geschäft von Wohnungsunternehmen ist in der Regel wenig volatil. Aus diesem Grund stecken im Kerngeschäft kaum Risiken. Können Wohnungsunternehmen dann eigentlich auf ein Controlling verzichten?

Na klar. Wenn sie denn glauben, dass die Welt sich nicht ändert! Gerade Wohnungsunternehmen geht es derzeit zumindest in städtischen Regionen ausnehmend gut, zu gut! Wer sich da nicht die Zeit nimmt, mit ideenreichen Controlling für die Zukunft vorzusorgen, für den gilt irgendwann doch der Spruch von Gorbatschow:

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Herr Dr. Friedag war bereits bei vielen Führungsforen, Arbeitskreisen und Seminaren für die EBZ Akademie im Einsatz. Seinen nächsten Einsatz hat er am 7.12.2018 im Rahmen des Arbeitskreis Controlling. Weitere Informationen finden Sie hier.

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Über den Autor

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Christian Kesselring

Stellv. Leiter, EBZ Akademie

Der Praxisbezug sollte in der Erwachsenbildung im Vordergrund stehen. Aus diesen Grund beziehe ich bei der Entwicklung von Bildungsangeboten immer Menschen ein, für die das Angebot konzipiert werden soll.