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27. Januar 2020 - Branchentrends
Resilienz - das Immunsystem für Körper und Seele Wie man psychische Widerstandskraft entwickelt für unseren sich rasant verändernden Arbeitsalltag.  Krisen? Krankheiten? Oder „einfach nur“ stressige Situationen am Arbeitsplatz? Immer wieder begegnen wir Menschen, denen das alles nicht wirklich etwas anhaben kann, an denen solche Ereignisse sogar fast abzuprallen scheinen.  Im Gegenteil, diese „Stehaufmännchen“ wachsen an Stolpersteinen in ihrem Leben und nutzen sie für ihre persönliche Weiterentwicklung. Menschen mit einer solchen Gabe nennt man resilient, ihre seelische Widerstandsfähigkeit Resilienz.

Resilienz - das Immunsystem für Körper und Seele

Wie man psychische Widerstandskraft entwickelt für unseren sich rasant verändernden Arbeitsalltag.

Krisen? Krankheiten? Oder „einfach nur“ stressige Situationen am Arbeitsplatz? Immer wieder begegnen wir Menschen, denen das alles nicht wirklich etwas anhaben kann, an denen solche Ereignisse sogar fast abzuprallen scheinen.
Im Gegenteil, diese „Stehaufmännchen“ wachsen an Stolpersteinen in ihrem Leben und nutzen sie für ihre persönliche Weiterentwicklung. Menschen mit einer solchen Gabe nennt man resilient, ihre seelische Widerstandsfähigkeit Resilienz.

Dr. Antje Kischk ist Allgemein- und Arbeitsmedizinerin aus Düsseldorf.

Resilienz - nur ein Modebegriff?

Für Mitarbeiter in Unternehmen ist diese Fähigkeit die beste Voraussetzung, um in Veränderungszeiten unserer modernen Arbeitswelt gesund zu bleiben, die immer komplexer, unsicherer und mehrdeutiger wird (VUCA-Welt). Resilienz zu lernen, die eigene Resilienz noch besser zu stärken, verstehen und nutzbar zu machen, ist eine der Hauptaufgaben der sich Menschen und Organisationen in der Zukunft widmen, um noch besser auf die Phänomene Beschleunigung, Arbeitsverdichtung und Digitalisierung zu reagieren. Und umso wichtiger wird das Wissen über Resilienz für Führungskräfte – bei denen selbst Resilienz fast schon vorausgesetzt wird – damit sie im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements resilienzfördernde Arbeitsbedingungen schaffen können.

In der letzten Zeit ist Resilienz fast zu einem Modebegriff geworden. Resilienz bezeichnet die Widerstandsfähigkeit gegen Stress, bzw. besser noch die Flexibilität im Umgang mit Stress., Resilienz-Fragebögen geben schnelle Auskunft über die eigene Belastbarkeit. Aber kann man Resilienz wirklich „einfach so“ lernen? Darin sind sich die Wissenschaftler nicht einig.

 

Resilienz - Definition

Resilienz (lat.: resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) oder auch psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen (Wikipedia). Der Duden nennt Resilienz „psychische Widerstandskraft, Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen“.
Ursprünglich stammt der Begriff übrigens aus der Werkstoffkunde. Resilient werden hier flexible, hochelastische Materialen bezeichnet, die nach Einwirkung von außen wieder in ihre Ursprungsform zurückkehren.

 

Der Hirnforscher Raffael Kalisch („Der resiliente Mensch. Wie wir Krisen erleben und bewältigen“) leitet das Mainzer Resilienzprojekt, eine Langzeitstudie des Deutschen Resilienz-Zentrums. Er ist der Meinung: Ja, sich gegen Krisen wappnen kann man lernen. Der Grundstein für die seelische Widerstandfähigkeit werde zwar in der frühen Kindheit gelegt, aber es sei dennoch möglich, als Erwachsener aktiv daran zu arbeiten. Kalisch hält allerdings nichts von Fragebögen, die schnelle Tipps, Lösungen oder Patentrezepte versprechen.

Resilienz muss man auch wollen

Denn Resilienz ist kein Schutzschild, das man sich einfach zulegen kann, sondern erfordert eine eigene Aktivität. Heißt: Man muss es auch wollen! Wer also in einer Krise steckt, sollte sich eine „das Glas ist nicht halb leer, sondern halb voll“-Haltung zulegen und zu der Überzeugung kommen, dass er durch das eigene Zutun die Situation positiv verändern kann (Selbstwirksamkeitsempfinden)

Kalisch weist aber auch darauf hin, dass es in unserer Arbeitswelt eigentlich besser und gesünder wäre, den Stress zu reduzieren als Menschen stressresistenter zu machen. Seiner Meinung nach kann erfolgreich angewandte Resilienzforschung stressbedingte psychische Erkrankungen reduzieren, indem sie Menschen Ängste nimmt und damit ihre Produktivität steigert.
Seelische Gesundheit am Arbeitsplatz kann also durch resiliente Eigenschaften gefördert werden. Was aber macht einen resilienten Mitarbeiter aus?

Emotionssteuerung oder Impulskontrolle
Er kann seine Gefühle analysieren und steuern, so dass Stress nicht krank macht, sondern zur Herausforderung wird.
Optimismus
Er hat die feste Überzeugung, dass alles gut wird und schaut optimistisch und zuversichtlich in die Zukunft.
Selbstwirksamkeit

Er glaubt fest an die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen. Und daran, dass er Krisen und Probleme selbstständig – oder auch mit der Unterstützung anderer – lösen kann.
Ziel- oder Lösungsorientierung
Er sucht immer wieder nach Wegen und Lösungen aus einer Krise und findet – sogar stärker als vorher – auch wieder heraus. Und lernt auch noch daraus.
Kontaktfreude/ Netzwerkorientierung/ soziale Bindungen
Er pflegt Freundschaften, soziale Kontakte und das Miteinander im Team, schöpft daraus Kraft und nimmt in schweren Zeiten und bei Problemen auch Unterstützung und Hilfe von anderen an.
Akzeptanz
Er kann akzeptieren, was ihm widerfährt und betrachtet Krisen als Teil des Lebens.
Eigenverantwortung

Er übernimmt Verantwortung für sein eigenes Leben, statt sich als Opfer der Umstände zu fühlen. Er hat das Gefühl, in jeder Situation die Wahl zu haben, wie er reagiert.
Erholung
Er geht nachhaltig mit seinen psychischen Ressourcen, hält sich seelisch gesund, macht immer wieder Erholungspausen und nimmt sich Zeit, die schönen Momente im Leben zu genießen.

Was können Sie als Führungskraft demnach tun, damit Ihre Mitarbeiter möglichst resilient werden?

Zunächst einmal sind eine grundsätzlich mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur und Unternehmenswerte, die auch tatsächlich gelebt werden, für ein an der Gesundheit der Mitarbeiter interessiertes Unternehmen entscheidende Voraussetzungen.

Aber auch konkret können Sie viel tun:

  • Schaffen Sie gesunde Strukturen und Prozesse im Sinne von Partizipation und Transparenz, es gilt diese kontinuierlich zu überprüfen und weiterzuentwickeln
  • Fördern Sie eine grundsätzlich optimistische Einstellung im Team, leben Sie sie vor.
  • Bieten Sie immer wieder ein offenes Ohr für Gespräche an.
  • Sprechen Sie Lob, Anerkennung und Wertschätzung aus.
  • Üben Sie Fairness und fordern Sie sie auch ein.
  • Fördern Sie bei Ihren Mitarbeitern die Lust am Lernen.
  • Feiern Sie Erfolge.
  • Sorgen Sie dafür, dass Konflikte immer geklärt werden.
  • Organisieren Sie Gesundheitsmaßnahmen für alle Mitarbeiter.
  • Bieten Sie soziale Unterstützung an bzw. geben Sie den Mitarbeitern das Gefühl, dass diese bei Bedarf vorhanden ist.
  • Bestärken Sie Ihre Mitarbeiter immer wieder in ihren Kompetenzen und Fähigkeiten und fördern Sie Potenziale.
  • Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter bei der Ziel- und Lösungsorientierung in Krisen.
  • Fördern Sie die Teamentwicklung, motivieren Sie jeden immer wieder neu.
  • Fördern Sie das Vertrauen in die eigene Kompetenz der Mitarbeiter (Sie schaffen das!).
  • Fördern Sie die Eigenverantwortung der Mitarbeiter, indem Sie ihnen mehr Handlungsspielraum in ihren Aufgaben übertragen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Pausen eingehalten werden und achten Sie darauf, dass bei den Mitarbeitern keine Überforderung durch wiederkehrende Überstunden entsteht.
  • Klären Sie Rollen und Aufgaben konsequent.
  • Machen Sie den Mitarbeitern immer wieder die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit deutlich.

Resilienz lernen? – ein Gespräch mit Dr. Antje Kischk

Für Dr. Antje Kischk ist Resilienz für Mitarbeiter und Führungskräfte gleichermaßen eine wichtige Voraussetzung, um gesund zu bleiben. Resilienz als Prävention also?

„Ja, auf jeden Fall. Aber man lernt Resilienz nicht von heute auf morgen. Das ist ein Prozess, an dem jeder aktiv arbeiten muss – und das auch in Abständen immer wieder. In meinem Seminar geht es u. a. um die Frage: Wie erkenne und analysiere ich meine äußeren Belastungen – die so genannten Stressoren – und wie kann ich ihnen aktiv begegnen? Wir decken gemeinsam mögliche Handlungsspielräume auf, jeder lernt, wie er ein persönliches, sinnvolles Zeit- und Selbstmanagement sowie Zukunftsvisionen entwickeln kann. Weiter geht es im Workshop darum, persönliche Stressverstärker zu entschärfen und durch die Entwicklung von förderlichen Gedanken und Einstellungen die eigene Resilienz zu stärken. Das nenne ich ‚mentale Stresskompetenz‘. Schließlich beschäftigen wir uns mit der körperlichen Widerstandsfähigkeit: Wie kann ich diese erhöhen? Wie viel aktive Bewegung in meinem Alltag ist gesund und wie viel nötig? Wie kann ich Pausen aktiv gestalten? Wie kann ich mich mental entspannen mit alltagstauglichen Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen? Wie kann ich meine Freizeit als „regenerative Gegenwelt“ gestalten? Ein Exkurs zu gesunder Ernährung und gesundem Schlaf schließen meinen Workshop ab.“

Am 05. und 06.11.2020 leitet Dr. Antje Kischk einen offenen Workshop zum Thema Resilienz an der EBZ Akademie. Alle Informationen zu dem Workshop finden Sie hier.

Zum Weiterlesen

Raffael Kalisch: Der resiliente Mensch. Wie wir Krisen erleben und bewältigen. Berlin Verlag 2017
Deutsches Resilienz Zentrum Mainz: www.drz-mainz.de
Resilienz-Akademie: www.resilienz-akademie.com

Kommentare

Berlino31

06. Februar 2020

Gut erklärt. Ich denke es ist auf jeden Fall wichtig, dass man etwas tut. Auch eine posttraumatische Belastungsstörung kann durch verschiedene Ereignisse im Beruf ausgelöst werden. Dagegen sollte man sich selbst und auch andere vorbereiten.

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Gastbeiträge auf dem EBZ Akademie Blog sind immer als solche gekennzeichnet. Mitwirkende Gastautoren auf diesem Blog, sind enge Netzwerkpartner des EBZ sowie Trainer, Dozenten, Professoren und Experten aus der Praxis.