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10. Juli 2018 - Personalentwicklung

Praktische Ansätze zur arbeitsintegrierten Personalentwicklung

Lernen bedeutet Aneignung und Integration von Informationen sowie deren flexible und kritische Anwendung. Da Lernen im Arbeitskontext nur selten durch Frontalunterricht oder Seminare stattfindet, sind vor allem ein vom individuellen Selbst ausgehendes Engagement bzw. Motivation notwendig, um hochqualifiziertes Lernen zu ermöglichen (Deci & Ryan 1993). Effektives Lernen im Arbeitskontext ist also auf intrinsische Motivation angewiesen. Doch wie kann eine solche verbessert werden? Eine Antwort darauf könnte das Ausmaß der Selbstbestimmung der Mitarbeiter sein.

Was hat Selbstbestimmung mit Motivation zu tun?

Selbstregulation am Arbeitsplatz kann durch die Selbstbestimmungstheorie beschrieben werden, welche von Edward Deci und Richard Ryan entwickelt wurde. Diese kann eine optimale Funktion des Arbeitens vorhersagen, welche unter anderem Engagement, Performanz, subjektives Wohlbefinden und Retention beinhaltet.

Den zugrundeliegenden motivationalen Mechanismus bilden hierbei die psychologischen Grundbedürfnisse, welche das  menschliche Verhalten lenken und antreiben. Diese psychologischen Grundbedürfnisse sind dabei für die optimale Funktion und das Wohlsein des Menschen ähnlich wichtig wie Wasser, Mineralien und Sonne für das Aufkeimen von Pflanzen.

Die psychologischen Grundbedürfnisse

1.Autonomie

Das Bedürfnis nach Autonomie ist das Verlangen, sich entscheidungsmächtig zu fühlen, sowie einen Eindruck der Wahlfreiheit in Bezug auf das Ausführen seiner Arbeit zu erleben. Autonomie heißt hierbei allerdings nicht, dass gar kein Einfluss von Vorgesetzten vorhanden sein darf. Eine spezifische Handlungsanweisung kann von einem Mitarbeiter autonom ausgeführt werden, sofern sich innerhalb dieser Anweisung noch genügend Gestaltungspielraum findet. Zuviel Autonomie kann zudem auch negativen Einfluss auf die Produktivität haben, hier gilt es den passenden Mittelweg zu finden.

 

2.Kompetenz

Jeder Mitarbeiter hat das Bedürfnis nach effektiver Interaktion mit seiner Arbeitsumgebung, ohne über- oder unterfordert zu sein. Dieses Bedürfnis entspringt der Neigung, sich mit Neuem zu befassen, sowie sich anspruchsvolle Aufgaben zu suchen, welche die eigenen Fähigkeiten auf die Probe stellen und verbessern. Ist das Bedürfnis nach Kompetenz befriedigt, erlaubt es dem Mitarbeiter, sich auf komplexe und variierende Arbeitsthemen einzustellen, wogegen eine Nicht-Befriedigung zu Hilf- und Motivationslosigkeit führt.

 

3 Soziale Eingebundenheit

Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach kollegialen Beziehungen und einem Gefühl von Verbundenheit. Das ist auch im Arbeitsalltag nicht anders. Im Gegensatz zu den beiden anderen Grundbedürfnissen hat die soziale Eingebundenheit eher hintergründigen, aber dennoch zentralen Einfluss auf intrinsische Motivation.

Erfolgreiche Förderung der Arbeitsmotivation

Ein unterstützendes Arbeitsklima kann die fundamentalen psychologischen Grundbedürfnisse befriedigen, welche eine wichtige Rolle in der kollektiven sowie individuellen Firmenkultur spielen. Die Erfüllung der psychologischen Grundbedürfnisse kann hierbei von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Dies können zum einen individuelle Persönlichkeitsmerkmale sein, zum anderen arbeitsplatzbezogene Faktoren. Hierzu gehören beispielsweise Arbeitsinhalte, Arbeitsbelastung und die Förderung der Autonomie der Mitarbeiter.

Vor allem Autonomieförderung kann in Zusammenhang mit positiver Arbeits- und Lernleistung sowie besserer Performanz gebracht werden. Diese verbessert zudem die Zufriedenheit der Mitarbeiter, das Ausmaß an Vertrauen in die Führungskräfte sowie weitere positive Arbeitsaspekte wie intrinsische Motivation (Blais & Briere, 1992).

Transformationale Führung kann hierbei ebenfalls einen zentralen Aspekt einnehmen. Bono and Judge (2003) haben gezeigt, dass Angestellte von transformationalen Führungskräften autonomiebasierte Zielsetzungen eher in den Vordergrund stellen. Die Angestellten wiesen ebenfalls eine höhere Arbeitszufriedenheit auf und hatten ihrem Arbeitgeber gegenüber eine höhere affektive Verbundenheit.

Die EBZ-Akademie im Selbstversuch

Um diese Theoriebasis auch praktisch verwendbar zu machen testet die EBZ-Akademie autonomes Arbeiten im Selbstversuch: Das Projekt „Lernende Akademie“ bietet Mitarbeitern die Chance, in autonomen Gruppen selbstgewählte Projekte zu bearbeiten, um am Ende das Ergebnis für die anderen verfügbar zu machen. Die Projektgruppen beschäftigen sich unter anderem mit Moderationsoptimierung, Projektmanagement oder E-Learning.

Im Rahmen dieses Projektes entsteht eine Masterarbeit in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Lernpsychologie der Universität Duisburg-Essen. Die Arbeit wird von Moritz Gwiasda mit dem Titel „Iterative Optimierung von selbstreguliertem Lernen auf Basis von design-based Research.“ verfasst und beschäftigt sich mit den Oben genannten Kriterien zum Thema psychologischer Grundbedürfnisse.

Aus den im Projekt „Lernende Akademie“ erarbeiteten Informationen wird schlussendlich ein Produkt entstehen. Dieses soll Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, sich im Bereich selbstgesteuerter Projektmanagement Techniken weiterzubilden.

Quellen

Quellen

Bono, J. E., & Judge, T. A. (2003). Self-concordance at work: understanding the motivational effects of transformational leaders. Academy of Management Journal, 46, 554-571.

Blais, M. R., & Bribre, N. M. (1992). On the mediational role of feelings of self determination in the workplace: further evidence and generalization. Manuscript, University of Quebec at Montreal.

Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1993). Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik Zeitschrift für Pädagogik, 39, 223-238

 Deci, E. L., Ryan, R. M., Gagn6, M., Leone, D. R., Usunov, J., & Kornazheva, B. P. (2001). Need satisfaction, motivation, and well-being in the work organizations of a former Eastern Bloc country. Personality and Social Psychology Bulletin, 27, 930-942.

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Über den Autor

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„Kompetenzentwicklung in einer Arbeitswelt 4.0. Wie funktioniert Selbstgesteuertes Lernen und welche Rahmenbedingungen maximieren den Lernerfolg? Diesem Thema widme ich mich in meiner Masterarbeit an der EBZ Akademie.“