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02. Juli 2018 - Beruf und Chance

PropTechs: Partner oder Konkurrenten?

Wer bei Kollaboration an Spione und Agenten denkt, lernt den Begriff im Zuge der digitalen Transformation neu kennen: Hier steht er für moderne Formen der Zusammenarbeit zwischen Geschäftspartnern, die gemeinsam mehr erreichen möchten, als sie es im Alleingang könnten. Immer mehr etablierte Unternehmen arbeiten kollaborativ, denn angesichts vermehrt produkt- und herstellerübergreifender Services stoßen sie mit ihren eingefahrenen Strukturen und tradierten Geschäftsmodellen zunehmend an Grenzen. Zwar funktionieren ihre Angebote, aber es sind eben keine vernetzten Lösungen.

Dagmar Hotze

Freie Journalistin,

spezialisiert auf Zukunftsthemen

der Immobilienwirtschaft

Doch gerade darauf legen digital geprägte Kunden Wert. Selbst die Big Player der Autoindustrie sind auf branchenfremde Partner angewiesen. So werkeln BMW und Daimler an eigenen Onlineplattformen für automobile Dienste, in die sie ihre Marken als "connected car" integrieren. Aus dem Einzelprodukt "Auto" wird so das Gesamtkonzept "Mobilität".

Der eine hat, was der andere nicht kann

Auch in der Immobilienwirtschaft sind strategische Partnerschaften mit PropTech-Firmen keineswegs ungewöhnlich. Laut der CBRE-Studie "Digitale Transformation und Innovation in der deutschen Immobilienbranche 2017" arbeiten bereits 13,7 % der befragten 163 Unternehmen mit Technologieanbietern zusammen. 5,8 % kümmern sich sogar aktiv um die Akquise von Start-ups. Keine schlechte Basis, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Einige bedeutende Partnerschaften zwischen alten Hasen und jungen Gründern gibt es bereits, wie die der LEG Immobilien AG mit der Sanierungsplattform Doozer und die der Deutsche Wohnen AG mit dem prämierten Türsystemanbieter KIWI.KI. Stets geht es darum, sich gegenseitig zu ergänzen und häufig noch analoge Prozesse mittels digitaler Lösung effizienter und komfortabler zu gestalten. Wie gehen Immobilienunternehmen die Partnersuche nun an?

Raus aus der Wahrnehmungsblase

Hilfreich ist zunächst ein Blick von außen auf das eigene Unternehmen und das tägliche Doing zu werfen. Denn häufig steckt man dermaßen tief im Alltagsgeschäft, dass Abläufe gar nicht als überholt wahrgenommen werden, selbst wenn sie ruckeln. Hauptsache, alles ist im Fluss. Das ist verständlich. Dennoch müssen sich die Verantwortlichen fragen, wie lange ihr Geschäft unter diesen Umständen noch erfolgreich sein wird, wenn sich um sie herum alles verändert und zwar rasant. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht. Der Immobilienmarkt auch nicht. Und die Kunden schon gleich gar nicht. Zumal branchenfremde Anbieter auf die Idee kommen könnten, sich ein Stück vom lukrativen Immobilienkuchen abzuschneiden, weil sie die Technologie dazu haben, siehe Airbnb. Abwarten ist also keine Option. Perspektivwechsel ist angesagt.               

Wertschöpfungsketten wird gesprengt

Zwischen 200 und 400 PropTechs gibt es hierzulande mittlerweile, die softwarebasierte Lösungen für die Geschäftsfelder Vermietung, Verwaltung, Verkauf, Marktanalyse, Planung und Konstruktion anbieten und damit jede Stufe der Wertschöpfungskette und jede Phase des Lebenzyklus einer Immobilien berühren. Die große Herausforderung besteht für Immobilienunternehmen darin, sich einen Überblick über die dynamische PropTech-Landschaft zu verschaffen und die Angebote systematisch auf ihre Anwendungsfähigkeit hin zu analysieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, die Auswirkungen auf das eigene Geschäftsmodell zu hinterfragen. Eröffnen sich durch den Einsatz der PropTech-Lösung eventuell neue Möglichkeiten für Produkte und Dienste? Wenn ja, wie sieht der Business Case dafür aus?

 

Die für die Wohnungswirtschaft relevanten PropTech-Lösungen lassen sich grob in vier Kategorien unterteilen:

Wertschöpfung

Lösung

Anbieter

Vermittlung von Immobilien

Über eine Plattform soll der Vermittlungsprozess von Miet- und Kaufobjekten vereinfacht werden.

Ebay, Homeday, ImmoScout, Immonet/Immowelt, ivd24, Maklaro, Moovin, 21st Real Estate, etc.  

Immobilien- und Mietermanagement

Über eine Plattform sollen Verwaltungsprozesse rund um die Bewirtschaftung von Immobilien und die Mieterkommunikation vereinfacht und effizienter gestaltet werden. Häufig wird auch eine App zur mobilen Interaktion angeboten.

Allthings, Animus, Casavi, Cunio, etg24, Immoterminal, etc.

Smart Buildung/Smart Home

Gebäudetechnische Prozesse werden durch softwarebasierte Installationen automatisiert.

Es gibt sowohl ganzheitliche Automationslösungen als auch Anwendungen für Teilbereiche, etwa für die Bereiche Energieeffizienz, Sicherheit, Beleuchtung, Kommunikation, etc.

AlphaEOS, Kiwi, Sensorberg, Tado, Thing-it, Wibutler, Zuhause Plattform, etc.

Baumanagement

Softwarebasierte Lösungen, die den Planung-, Bau und Sanierungsprozess vereinfachen soll.

BuildingRadar, Doozer, PlanRadar, Pave, Sablono, etc.

Konkrete Ziele definieren

Um bisherige Prozesse zu reflektieren und über neue Ideen zu diskutieren, bietet sich im ersten Schritt eine Art Innovation Day an, der regelmäßig mit der Belegschaft stattfindet. Hier können sowohl die erfahrenen Semester als auch die Mitarbeiter der Generation Y ihre Erkenntnisse einfließen lassen. Wichtig ist, sich offen aber zielgerichtet auszutauschen, damit man nicht im Allgemeinen steckenbleibt. Statt unspezifischer Fragen ("Wie können wir innovativer werden?") sollten konkrete Verbesserungsmaßnahmen für ein bestimmtes Problem (z.B. "Wie kann das Immobilienmanagement die Mieterzufriedenheit steigern?") ausgelotet werden. So kann für genau diese Herausforderung an einer Lösung gearbeitet werden. Außerdem wird dadurch erkennbar, ob es Sinn macht, einen Partner mit ins Boot zu holen, weil sich mit ihm das Ziel besser erreichen lässt. Ist klar, welcher Kooperationspartner interessant sein könnten, geht die Suche los.

Selbst die Initiative ergreifen

Eine hervorragende Gelegenheit, die PropTech-Landschaft kennenzulernen, ist die diesjährige Sommerakademie des EBZ - Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft im August 2018 in Bochum. Statt eine Vielzahl von oberflächlichen Pitches zu präsentieren, wie es häufig auf Immobilienevents geschieht, steht die interaktive Beschäftigung mit PropTechs auf dem Programm. Neben einer Einführung in die Szene der Digitalpioniere, stellen drei erfolgreiche Vertreter (Casavi, Doozer und Zuhause Plattform) ihre Lösungen vor. Beim anschließenden "Business Wargaming" geht es dann für die TeilnehmerInnen eine Stunde lang ans Eingemachte: In Kleingruppen müssen sie selbst erkunden, ob PropTechs Partner oder eine Bedrohung für die Immobilienbranche sind und ihre Ergebnisse am Schluss vorstellen   

Von anderen Branchen inspirieren lassen

Darüber hinaus lohnt es sich, fernab der ausgetretenen Pfade nach neuen Partnern Ausschau zu halten. Wer könnte einen besser auf pfiffige Ideen bringen als Unvoreingenommene? Oder Querdenker. Die Kür ist dann, selbst als Inkubator aufzutreten und interessant zu sein für mögliche Partner. Sie meinen, das klappt nicht? Auch kleine Aktionen können große Wirkung haben. Oder denken Sie, James Bond hätte ohne die technischen Gimmicks von "Q" je einen Bösewicht zur Strecke gebracht? Man sollte immer offen sein für Neues.  

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