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27. Mai 2018 - Digitalisierung

Immobilienwirtschaft 4.0 - Muss jeder Mitarbeiter zum ITler werden?

Aktuell wird sehr viel über Digitalisierung geschrieben und gesprochen. Aus gutem Grund, denn wir erleben, wie die Digitalisierung unsere Gesellschaft und Arbeitswelt nachhaltig umkrempelt - auch wenn sich Tempo und Intensität in den einzelnen Branchen sehr stark unterscheiden. Während die digitale Transformation in Branchen wie Banken, Medien, Einzelhandel und Unterhaltungsmusik schon sehr weit fortgeschritten ist, steht sie in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft doch eher noch am Anfang. Aber auch hier werden aktuell Geschäftsprozesse digitalisiert, Plattformen, Apps und Portale übernehmen zunehmend die Schnittstelle zum Kunden und Gebäude werden miteinander vernetzt (Stichwort: Smart Home).  

Neue Aufgabengebiete verändern Jobprofile

Müssen nun angesichts dieser Entwicklung alle Mitarbeiter in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft zu IT-Experten geschult werden? Sicherlich nicht, auch wenn der Bedarf an ITlern und Digitalisierungsspezialisten steigen wird (vgl. Befragung der EBZ Akademie zur Fachkräftesicherung in 2017). Allerdings müssen alle Mitarbeiter und Führungskräfte in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft auf die Digitalisierung und deren Folgen vorbereitet werden. Denn wie auch in anderen Branchen werden sich in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft durch die Digitalisierung viele Jobprofile verändern und einige andere auch wegfallen.

Insbesondere im Bereich Projekt- und Prozessmanagement, data analytics, Wissensmanagement und Softwareentwicklung werden in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft neue Jobprofile entstehen. Diverse Studien legen nahe, dass sich in Deutschland durch die Digitalisierung – branchenübergreifend  - 31 % der Jobs verändern und 12 % wegfallen werden (vgl. u.a. OECD Beschäftigungsausblick 2017). Natürlich sind dies nur Prognosen, die eintreffen können oder nicht. Dennoch zeigen sie einen Trend auf, der sich in seiner grundsätzlichen Ausrichtung nicht mehr aufhalten lässt.

Arbeitsfähig bleiben im digitalen Wandel

Wie können nun Arbeitgeber ihre Mitarbeiter/Innen zielgerichtet auf die Digitalisierung vorbereiten? Über welche digitalen Grundkompetenzen sollten Mitarbeiter in Wohnungs- und Immobilienunternehmen zukünftig verfügen, um in der digitalen und sich immer schneller verändernden Arbeitswelt arbeitsfähig zu bleiben (Stichwort Employability)?

Eine aussagekräftige Beschreibung dieser digitalen Grundkompetenzen findet sich im Leitfaden des  DGFPs mit dem Titel „ Kompetenzen im digitalisierten Unternehmen“ aus der Reihe „DGFP-Praxispapiere“ (Beyer, Skottki, Richard & Armutat, 2016). Die Autoren des Papiers unterteilen digitale Kompetenzen in fachlich-technische Kompetenzen, in digitale Businesskompetenzen und in die digitale Fitness.

Cluster digitaler Kompetenzen

Digitale fachlich-technische Kompetenzen werden benötigt, um die im Unternehmen eingesetzten Softwarelösungen und technischen Geräte wie z.B. Tablets bedienen zu können und um souverän und rechtskonform mit den ständig ansteigenden Datenmengen im Unternehmen umgehen zu können (Informations- und Datenkompetenz).

Digitale Businesskompetenzen sind die Eigenverantwortlichkeit, die Kommunikationsfähigkeit, die Vernetzungskompetenz und die Agilität. Sie werden benötigt, um immer wieder auf neue Herausforderungen und Veränderungen im eigenen Unternehmen kompetent reagieren zu können.

Die digitale Fitness umfasst eine „Vielzahl von weichen Faktoren, die ein grundsätzliches Wissen um die technologischen Möglichkeiten und Einsatzmöglichkeiten beinhaltet. Sie setzt in dem Moment an, in dem sich MitarbeiterInnen mit neuen Geräten und Technologien auseinander setzen müssen. Kern des Konzepts der digitalen Fitness sind das „Interesse und die Offenheit gegenüber technischen Entwicklungen“ (Beyer et al., 2016, S. 15).

Lösungsansätze zum Kompetenzerwerb

Die hier beschriebenen digitalen (Grund-) Kompetenzen lassen sich in der Regel nicht durch Eintages-Seminare entwickeln. Notwendig ist vielmehr ein Mix aus

  • betrieblichem Lernen in der Arbeitssituation mit der entsprechenden Begleitung durch die Führungskräfte,
  • entsprechenden internen und externen Schulungen
  • sowie einer entsprechenden Unternehmenskultur, die die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung von ihren Mitarbeitern und Führungskräften fordert und fördert.

Mögliche Ansatzpunkte hierfür können sein:

  1. Achten Sie bereits im Bewerbungsprozess auf die digitalen Grundkompetenzen der Bewerber. Gestalten Sie Ihren Rekrutierungsprozess so, dass Sie digital-affine Bewerber auch erreichen und ansprechen.
  2. Integrieren Sie die Entwicklung von digitalen Grundkompetenzen als festen Bestandteil in die Ausbildungspläne in Ihrem Unternehmen.
  3. Bieten Sie Ihren Mitarbeitern Workshops und Schulungen zu Digitalisierungsthemen an.
  4. Sensibilisieren Sie Ihre Führungskräfte, digitale Kompetenzen in den Feedback- und Mitarbeitergesprächen einzufordern.
  5. Lassen Sie in Teams arbeiten, in denen digital-affine und weniger digital affine Mitarbeiter zusammen arbeiten.
  6. Setzen Sie inverted mentoring ein. Beim inverted mentoring unterstützen junge Mitarbeiter ihre älteren Kollegen bei der Nutzung von digitalen Tools.

Gemeinsam die digitale Transformation fokussieren

Grundsätzlich gibt es keinen Königsweg zur Verankerung von digitalen Kompetenzen im Unternehmen. Entscheidend ist jedoch nach meiner Ansicht der Wille der Geschäftsführung und der Führungskräfte, sich dem Thema Digitalisierung zu stellen. Dann wird es auch gelingen, die Belegschaft mitzunehmen.

Quellen:

Beyer, K., Skottki, B., Richard, E. und Armutat, S. (2016). DGFP-Praxispapiere, Leitfaden: Kompetenzen im digitalisierten Unternehmen (Ergebnisse aus Expertenkreisen im Rahmen eines BMWi-geförderten Forschungsprojekts). Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V. Abgerufen von: https://www.dgfp.de/mediathek/publikationen/

OECD (2017), OECD Employment Outlook 2017, OECD Publishing, Paris, Abgerufen von: http://dx.doi.org/10.1787/empl_outlook-2017-en.

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Wie können Veränderungsprozesse nachhaltig gestaltet werden? Was sind attraktive Beschäftigungsformen? Mit welchen Angeboten können Sie Talente an Ihr Unternehmen binden? Welche Lösungen bietet moderne Personalentwicklung zur Bewältigung der digitalen Transformation? Die besondere Herausforderung liegt für mich in der gemeinsamen Ausgestaltung und Problemlösung dieser Handlungsfelder. Ich freue mich auf Ihre Anfragen.