Digitale Transformation von Unternehmen und neue Kompetenzen

Unter der „Digitalisierung der Wirtschaft“ werden mehrere Entwicklungen subsumiert, die alle ihren Anfang in der Integration digitaler Technologien in die Arbeits-und Produktionsprozesse nehmen und von denen angenommen wird, dass sie den Beginn eines Paradigmenwechsels der Arbeit in und der Zusammenarbeit von Unternehmen beschreiben – mit Auswirkungen auf alle direkt und indirekt wertschöpfenden Tätigkeiten. Der Gedanke des Paradigmenwechsels beruht im Kern auf dem Ausbau robuster, schneller Datenautobahnen, der Cloud-Technologie, Innovationen in der Massendatenverarbeitung und der Weiterentwicklung selbstreferentieller Steuerungssysteme. Diese Basisinnovationen der Informations- und Kommunikationstechnik wirken sich auf sämtliche Lebensbereiche des Menschen aus; sie ergänzen die menschliche Lebenswelt um eine virtuelle Dimension. Weil diese Entwicklungen radikale, tiefgreifende Auswirkungen auf das Zusammenleben von Menschen, auf die Geschäftsmodelle und die Aktivitäten von Unternehmen, letztlich auf wirtschaftliche und politische Systeme haben, wird dieser Paradigmenwechsel auch als „digitale Revolution“ bzw. „digitale Transformation“ bezeichnet.

Prof. Dr. rer. pol. Sascha Armutat

Lehrgebiet Allg. BWL, insb. Personalmanagement und Organisation (FH Bielefeld)

 

 

Digitalisierung verändert DNA der Unternehmen

Die Digitalisierung mit ihren Treibern und ihren Elementen trifft Unternehmen mit einer ungeahnten Wucht. Sie stellt die bestehenden Geschäftsmodelle und Leistungserstellungsprozesse radikal in Frage und forciert die Transformation von Unternehmen. Deren Erfolg hängt zunehmend von ihrer digitalen Fitness ab, einer ganzheitlichen Transformation der Strategie in Kombination mit dem Vertrieb, und der Unternehmensfunktionen und der Prozesse (vgl. Accenture 2016).

Mit diesen weitreichenden Veränderungen in der DNA von Unternehmen geht eine Veränderung der Erfolgsfaktoren eines digitalisierten Business einher (vgl. Simmet 2014):

  • Unternehmen definieren sich nicht mehr ausschließlich über ein Produkt oder eine Marke. Sie bieten ein Gesamtsystem mit dazugehörigen Services an, in dem unterschiedliche Leistungsbereiche kundenorientiert miteinander verknüpft sind (Servicebiotope).
  • In einer Wirtschaft integrierter Servicebiotope hat das Unternehmen Erfolg, das die Fähigkeiten unterschiedlicher Dienstleister, Produzenten optimal miteinander und mit den Bedürfnissen der Kunden verbindet.
  • In dynamischen und komplexen Umfeldern müssen Unternehmen die Innovationsgeschwindigkeit erhöhen. Das ist nur möglich, wenn eine andere Fehlerkultur gepflegt wird, denn etwas Neues zu wagen bringt Unsicherheiten mit sich und beinhaltet notwendig ein Risiko des Scheiterns. Scheitern ist erlaubt, Lernen ist Pflicht.
  • Daten sind der zentrale Erfolgsfaktor für digitale Geschäftsmodelle. Sie werden in großem Umfang gesammelt, analysiert, verarbeitet und für das Business genutzt. Zentrale Bedingung ist dabei der Zugang aller Mitarbeiter zu den relevanten Daten.

Vernetzungskompetenz als Schlüsselfaktor

Die Veränderung der Geschäftsmodelle, Unternehmensstrukturen und Erfolgsfaktoren führt dazu, dass sich die Arbeit in digitalisierten Unternehmen ändert: Sie wird vernetzter, ganzheitlicher, selbstgesteuerter, sie wird experimenteller und innovationsorientierter, sie wird IT-basierter und technisch integrierter als bisher.

Zentral wird in derartigen Unternehmen die Kompetenz, interdisziplinäre Kontexte ergebnisorientiert miteinander zu vernetzen. Das wird als Verknüpfungskompetenz bezeichnet: die Fähigkeit und Bereitschaft, Informationen und Personen aus unterschiedlichen Professionen und Wissensdomänen miteinander zu verbinden.

Die Reflexionsfähigkeit nimmt neben der Vernetzungskompetenz gerade bei Führungskräften der Zukunft eine herausragende Bedeutung als Schlüsselkompetenz ein (Armutat et al. 2015). Sie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, das geplante und realisierte eigene Handeln unvoreingenommen zu analysieren, sich die zugrundeliegenden Handlungsroutinen bewusst zu machen und deren Effektivität und Effizienz zu hinterfragen und ist die Basis dafür, in Zeiten der Unsicherheit und der fehlenden externen Orientierungspunkte handlungsfähig zu bleiben durch das Entwickeln von Handlungsoptionen und das Setzen von Prioritäten.


Literatur

Accenture (2016): Digitalisierung entzaubern – wie die deutschen Top 500 digitale Blockaden lösen. o.O.

Armutat, S. et al. (2015): Schlüsselkompetenz Reflexionsfähigkeit. Führungskräfteentwicklung der Zukunft. PraxisPapier 1/2015. Düsseldorf.

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Deloitte) (Hrsg.) (2013): Digitalisierung im Mittelstand. o.O.

Dilk, A.; Littger, H. (2015): Fuck up, Stand up. Scheitern Lernen. In: managerSeminare, 9/2015, S.44–50.

Eichler, S.; Schirrmacher, G. (1998): Friedenspraxis gegen Alltagsgewalt – Voraussetzungen inter-institutioneller Zusammenarbeit zum Abbau von Gewalt im Geschlechterverhältnis. Abschlussbericht des gleichnamigen Projektes im Rahmen des Projektverbundes „Friedens- und Konfliktforschung in Niedersachsen“, Projektleitung: Prof. Dr. Hagemann-White und Prof. Dr. Schall, Universität Osnabrück.

Simmet, H. (2014): Wie verändert das Internet der Dinge den Service? Integrierter Service in neuen Ökosystemen. hsimmet.com/2014/03/16/wie-verandert-das-internet-der-dinge-den-service-integrierter-service-in-neuen-oekosystemen/ (Zugriff 4.11.2015).

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